Mittwoch, 25. März 2009

Little Italy im Schatten des Doms

Jetzt ist es also so weit. Die Neugestaltung des Residenzplatzes ist vorerst auf Eis gelegt. Verständlich, dass Max Rieder darüber nicht besonders erfreut ist. Über seine öffentlich in den SN vom 20. März über die Provinzstadt Salzburg und seine Bewohner geäußerten Gedanken kann jeder denken wie er will.

Es ist richtig, dass in Salzburg viele Architekturprojekte erst groß angekündigt, in aufwändigen Wettbewerbsverfahren ausgewählt und dann in einem qualvollen Prozedere totgeredet werden. Aber ist das in Wien anders?

Man erinnere sich nur an die jahrelange Farce beim Museumsquartier. Der alte Mann mit der Krone spielte hier Architekt. Andere Projekte sind schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt. Viel zu restriktive und ängstliche Vorgaben bei der Wettbewerbsausschreibung führen zu Projekten wie etwa dem Museum auf dem Berg. Der oft und gern herangezogene Vergleich Salzburgs mit den oberitalienischen Renaissancestädten ist für Salzburg schmeichelhaft.

Abgesehen davon, dass diese Städte oftmals schon Jahrhunderte früher ihr Antlitz erhielten, hinkt dieser Vergleich dennoch. Objektive Parameter, wie Klima und mediterrane Vegetation, und subjektive Empfindungen, wie Lebensart, Urlaubsstimmung und kulinarische Genüsse, verklären das Bild. Provinzstädte sind diese Perlen allemal. Und vielleicht liegt gerade da der Schlüssel.

In der Provinz ist halt alles etwas kleiner. Die sich daraus oft wie selbstverständlich ergebende Maßstäblichkeit und Proportionalität wirkt auf uns Menschen stimmig und wir fühlen uns beim Cappuccino auf der Piazza pudelwohl. Man stelle sich das mal bildlich übertragen auf dem Residenzplatz vor. Kommt da wirklich italienisches Flair auf?

Somit war die gestalterische Reaktion der siegreichen Architekten mit ihrem Projekt durchaus schlüssig. Die Verunsicherung vieler Salzburger mitsamt technischer Bedenken mit unverhohlenem Zynismus vom Tisch zu wischen ist zumindest voreilig. Vielleicht tut die nunmehrige Nachdenk phase dem Residenzplatz auch gut. Oftmals kommt man nach vielem Hin und Her und Zaudern und Zögern auch wieder zum ursprünglichen Ansatz zurück. Manchmal auch nicht. Schlecht?

Dipl.Ing. Wolfgang Weissenberger
5020 Salzburg

dieser leserbrief in den salzburger nachrichten vom 25.3.2009 wird hier mit freundlicher genehmigung von dipl.ing. wolfgang weissenberger wiedergegeben.

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